Eisenbahnschiene bestimmen?

27. August 2012 um 17:06
Hallo Schmiedefreunde,
ich habe vor einer Woche von einem Bekannten einige Meter alte Eisenbahnschienen bekommen und wollte mir daraus Werkzeuge, Gesenke und evtl. Messer herstellen.
Ich weiß allerdings nicht um welchen Stahl es sich genau handelt. Habe im internet Kennzeichnungen für die Zugfestigkeit, Material etc. gefunden, allerdings steht auf meinen Schienen keine von diesen Bezeichnungen. Es könnte sein, dass die einfach noch älter als die Kennzeichen sind, die ich gefunden habe.

Wenn sich jemand von euch mit Schienen auskennt, wäre das super!
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Ich nehme an, dass 1900 und 1902 für das Baujahr der Schienen steht, was das andere bedeuten soll weiß ich nicht.

Wäre toll wenn mir jemand weiterhelfen könnte.

Schmiedegrüße

Marco
27. August 2012 um 17:13
Hallo,

falls die Dinger benutzt sind musst du wohl den Kopf wegwerfen, der hat dann zu viele Risse.
Sonderlich guter Stahl war es leider auch nicht , meiner Meinung nach gerade mal Wasserhärter imho wie C45.
Aber einfach seber mal ausschmieden und Härteversuche unternehmen.
27. August 2012 um 17:56
Also Messer daraus würde ich nicht machen wird einfach nichts gescheites.

Eisenbahnschienen schwanken zwischen C35 und sogar C80.
Als erstes also Funkenprobe, wenn möglich härte prüfen nach härten mit verschiedenen Temperaturen.
Einfach grob einschätzen  nach Funkenprobe was es sein könnte und dann mit der Temperatur rantasten.
Bruchbilder machen und analysieren.


Ich würde einen haufen Gesenke oder Hämmer draus machen.
Das die Schienen risse haben könnten glaub ich nicht denn viele oder die meisten werden ausgetauscht oder weggeworfen sobald eine Strecke abgerissen wird.
27. August 2012 um 18:34
Danke für die schnellen Antworten. Ich werde wohl wenn ich wieder zum schmieden komme bisschen ausprobieren und bei Gelegenheit Fotos davon machen.

Hoffe nicht dass der Kopf Risse bzw Haarrisse hat, wollte mir daraus eigentlich Hammerköpfe machen, da die Form schon im groben existiert. 

Aber wie ihr schon gesagt habt Versuche, Versuche, Versuche.... hab ja zum Glück genug davon.


Gruß

Marco 
27. August 2012 um 18:40
Hallo,

die Bezeichnung MH dürfte auf die ehemalige Maxhütte hindeuten. Evtl. kannst Du in dieser Richtung recherchieren.

Grüße

Sebastian
27. August 2012 um 22:12
Maxhütte ist richtig, die weiteren zeichen geben Aufschluss über Zugfestigkeit etc.
Das kann ich aber nicht auflösen.
Kompetente Ansprechpartner findest du mit etwas Glück beim grössten Produzenten http://www.voestalpine.com/schienen/de/products/railway_infrastructure/rails.html

Wie schon gesagt: Zum einen ist es logisch wenn zehn Tonnen pro Achse und ettliche Achsen pro Zug mehrmals am Tag und mit hundert oder mehr km/h drüberrutschen, das sich Risse bilden.
Zum andern habe ich die Erfahrung bereits mit solchen Stücken gemacht und könnte auch mal Bilder beisteuern wenn ich wieder Zeit habe.
Steg und Fuss kann man aber immer noch wunderbar verwenden.
Für Hämmer und Co würde ich aber neue Stücke verwenden, da kann dann immer noch genug schief gehen.

Was allerdings sein kann ist das sich tolle Muster zueigen wenn du den Stahl ausschmiedest und ätzt.
Dekorlagen wären dann durchaus eine überlegung wert.
Ein Bekannter hat mir mal so eine Schiene von vor 1900 förmlich aus den Händen gerissen weil es ausah wie der "Sumigaschijaschiaschi" $$$Stahl vom Dick.
27. August 2012 um 23:53
@Warrior
Also Messer daraus würde ich nicht machen wird einfach nichts gescheites. Eisenbahnschienen schwanken zwischen C35 und sogar C80.

Das könnte man so auch über Werkzeugstahl sagen, der schwankt noch schlimmer, außerdem sind die 0,35%C bei modernen Schienen zu tief angesetzt, da wären es minimum 0,40%C und auch das ist eher unwahrscheinlich.
Fakt ist es gibt höher Kohlenstoffhaltigen Schienenstahl und weniger Kohlenstoffhaltigen genauso wie bei Werkzugstahl.
Dem Anwendungszeck entsprechend geht das aber nur bis zu Zäh-Harten Güten, da werden aber gute Messer draus, wenn man die richtigen Teile verwendet.
Wenn du ein unbezeichnetes Stück Stahl findest weist du auch nicht was drin ist bis zur Funkenprobe.
Bei neueren Schienen gibt es noch Walzzeichen um die Qualität zu identifizieren, bei älteren auch da muss man aber den Schlüssel kennen.
Die Schiene auf dem Foto hat ein älteres System.
Ich hab mir vom Alteisenverwerter ein Stück einer lt Walzeichen höherlegierten Schiene für etwas mehr als Schrottpreis geholt und da sind einige gute Messer draus geworden die auch noch nach dem Anlassen Glas ritzen.

Grüße,
Eisenbrenner
28. August 2012 um 12:26
Hall
wie es aussieht werde ich heute Nachmittag die Esse anschüren. Ich mach dann eventell eine kleine Fotoserie von meinen Härteversuchen und Bruchproben. Ich habe mir vorgestellt, bei in etwa hellkirschrot zu härten welche Anlasstemperaturen könntet ihr mir dazu empfehlen? Wenn ich mich nicht irre, steht in meinem Stahlschlüssel ausgehend von C45 eine Anlasstemperatur von 500-550°C. Wwas haltet ihr davon? Ich dachte mir davon ausgehen bisschen weniger Temoeratur zum Anlassen und paar versuche mit unterschiedlichen Temps.

Gruß

MARCO
28. August 2012 um 13:13
Die Anlasstemperatur hängt immer vom Verwendungszweck hab. Für eine Bruchprobe ist 500° jedoch so oder so viel zu hoch.
Die Bruchprobe würde ich zuerst ohne jegliches Anlassen machen, dann nach einem Anlassen bei ca. 200° (Weißgelb) - 230° (Goldgelb).
Ein Messer würde ich beispielsweise sogar nur bei 190° anlassen.

Gruß,
Timm
28. August 2012 um 14:37
Weiß ja nicht was du so zu liegen hast,vom C-Funken her kannst du es ja mal mit Blattfeder (je größer desto besser ) oder PKW Spiralfeder vergleichen.

Gruß Maik
Homepage
28. August 2012 um 19:48
Konnte mit den ganzen Kirschfarben noch nie was anfangen.
Nimm einfach reines Salz, kein Meersalz oder Himalaya und warte bis es schmilzt.
Dann bist du im unteren Bereich des Härtefensters.
500 Grad anlassen wird dann federhart, das ist nichts für die meisten Werkzeuge.
Für  Schneidwerkzeuge würde ich je nach anwendungszweck im Bereich 150-200° anlassen.
Und nicht vergessen wo bei alten Zügen das Klo war -> immer schön reinigen vor der Verwendung

Grüße,
Eisenbrenner
28. August 2012 um 20:11
Aus der Ecke genommenen Neodymmagneten einer PC Festplatte ist da auch sehr sicher.

Gruß Maik
Homepage
30. August 2012 um 19:35
Hallo,

also jetzt komme ich endlich mal dazu, die Fotos von meinem Versuch hochzuladen.
Habe am Flansch der Schiene etwa 80mmx10mm große Stücke abgeflext und in der Esse zum glühen gebracht.

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Nach dem Härten in Wasser, ohne Anlassen




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Bruchprobe: Fast Glashart und nicht mehr mit der Feile zu bearbeiten (nächstes Bild)


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 Erneuter Versuch gleiches Spiel nur bei ca 220°C angelassen (Farbverlauf und Farbton kommen auf dem bild nicht ganz so gut rüber)



2012-08-28_172242.jpg

Es war mir dann nicht mehr möglich das Stück zu zerbrechen.



Fazit:

Ich werde evtl. nochmal das ganze mit Ölhärten probieren und dann mal schauen.

Ich denke aber dass ich daraus durchaus einige brauchbare Werkzeuge/Gesenke schmieden kann.


Gruß Marco
 
30. August 2012 um 20:33
Ätz das Stück doch mal an wenn du es etwas ausgeschmiedet hast.
Die hier war zwar einige Jahrzehnte älter aber wer weiss

Allerdings wie schon geschrieben : Der Kopf war scheisse und der Stahl an sich taugte eben nur als Seitenlage.
Und leider zeigen nur die wenigsten solch ein häbsches Muster.

Servus

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